kommmitmensch

Sicher. Gesund. Miteinander.

„kommmitmensch“ – dazu laden Berufsgenossenschaften und Unfallkassen mit ihrer neuen Präventionskampagne ein. Wer der Einladung folgt, lernt die Stellschrauben für ein sicheres und gesundes Arbeiten, Lernen und Leben kennen.

Die Zahl der Arbeitsunfälle durch Gewalteinwirkung ist in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. Grund genug für Arbeitgeber zu prüfen, ob sie das Thema ausreichend in ihrer Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen. Wie können Betriebe mit dem Thema Gewalt am Arbeitsplatz umgehen? Antworten auf diese Frage lassen sich am besten in Zusammenarbeit mit den Beschäftigten entwickeln. Darauf weisen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen im Rahmen ihrer Präventionskampagne kommmitmensch hin. Die Kampagne bietet hierzu Hilfen für die innerbetriebliche Kommunikation.

Im Jahr 2010 wurden Unfallkassen und Berufsgenossenschaften rund 8.800 Gewaltunfälle gemeldet, im Jahr 2019 waren es mehr als 13.200. Das ist in zehn Jahren eine Zunahme um 50 Prozent. Am häufigsten betroffen von Gewaltvorfällen sind Beschäftigte in der Kranken- und Altenpflege, aber auch Verkaufspersonal im Einzelhandel.

Über die Gründe des Anstiegs lässt sich nur spekulieren. "Wir können nicht sagen, ob sich das Aggressionspotenzial erhöht hat oder ob sich zum Beispiel das Anzeigeverhalten bei den Betroffenen verändert hat", sagt Dr. Just Mields. Er ist Arbeitspsychologe bei der Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse und arbeitet im DGUV-Sachgebiet Psyche und Gesundheit in der Arbeitswelt mit. Insgesamt überwiegen deutlich die Anzeigen physischer Gewalt: 2019 waren es 10.851 gegenüber 2.395 Anzeigen von psychischer Gewalt. Diese Zahlen zeigen aber wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs. Drohungen oder kleinere Verletzungen aufgrund von Gewaltanwendung werden von den Zahlen nicht unbedingt abgebildet. Denn ein Arbeitsunfall muss erst nach drei Tagen Arbeitsunfähigkeit gemeldet werden Oft fehlt auch noch das Bewusstsein dafür, dass auch psychische Gewalt als Arbeitsunfall gemeldet werden kann.

"Um Gewalt im Betrieb vorzubeugen, muss man verstehen, wo und wie kritische Ereignisse entstehen. Gemeinsam mit den Beschäftigten ins Gespräch zu kommen, ist dafür der beste und einfachste Weg. So lassen sich auch passende Maßnahmen finden, die das Risiko minimieren. Führungskräfte sollten Hinweise von ihren Beschäftigten auf jeden Fall ernst nehmen. Ein gutes Betriebsklima ist da eine gute Voraussetzung", so Mields. Im Rahmen ihrer Präventionskampagne kommmitmensch hat die gesetzlichen Unfallversicherung deshalb spezielle Dialogkarten für die Bearbeitung von Gewaltvorfällen im Betrieb entwickelt.

Solche Dialogkarten gibt es auch für andere Unfallschwerpunkte wie zum Beispiel Absturz- oder Verkehrsunfälle. Auch hier geht es darum, Beschäftigten und Führungskräften dabei zu helfen, ins Gespräch zu kommen. Dabei sprechen eigens zusammengestellte Teams über erlebte Situationen, steigen in die Diskussion ein und erarbeiten gemeinsam Lösungsansätze.

Die Dialogkarten sind eine thematische Erweiterung der sechs Handlungsfelder der Kampagne: Führung, Kommunikation, Beteiligung, Fehlerkultur, Betriebsklima, Sicherheit und Gesundheit. Zusammen sind sie wichtige Stellschrauben für eine erfolgreiche Präventionskultur. Die Dialogkarten sind als PDF zum Download erhältlich und können einfach selbst ausgedruckt werden.

Hintergrund kommmitmensch

kommmitmensch ist die bundesweite Präventionskampagne von Berufsgenossenschaften, Unfallkassen und ihrem Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Hintergrund ist, dass die Zahl der Arbeits- und Wegeunfälle in den vergangenen Jahren nicht mehr deutlich gesunken ist. Um dem Ziel der Vision Zero, einer Welt ohne Arbeitsunfälle und arbeitsbedingte Erkrankungen, weiter näher zu kommen, braucht es deshalb einen ganzheitlichen Ansatz: kommmitmensch unterstützt Unternehmen und Bildungseinrichtungen dabei, eine Präventionskultur zu entwickeln, in der Sicherheit und Gesundheit Grundlage allen Handelns sind.

Weitere Informationen zur Präventionskampagne der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen können Sie hier nachlesen.                        

Selbstverständlich sicher und gesund

Mit einer neuen Kampagne zur Kultur der Prävention lenken die in der DGUV organisierten Unfallkassen und Berufsgenossenschaften den Blick darauf, welchen Stellenwert Sicherheit und Gesundheit in einem Betrieb oder einer öffentlichen Einrichtung genießt. Tatsächlich lässt sich dieser Wert ablesen: Wenn sich kaum Unfälle ereignen und Beschäftigte selten krankheitsbedingt ausfallen, steckt etwas dahinter: eine Führung, die dafür sorgt, dass ihre Beschäftigten keinen körperlichen und psychischen Gefahren ausgesetzt sind. Wie das gelingen kann, zeigt die Kampagne „kommmitmensch“ – SICHER. GESUND. MITEINANDER.

Handlungsfelder

1. Führung

Die Unternehmensleitung ist ein entscheidender Impulsgeber für die Botschaft, dass Sicherheit und Gesundheit zentrale Themen im Betrieb sind. Führungskräfte sind Vorbilder für die Beschäftigten, ihr Verhalten wird übernommen.

2. Kommunikation

Probleme und Ideen zum Thema Sicherheit und Gesundheit sollten Unternehmen regelmäßig und auf Augenhöhe mit allen Beschäftigten besprechen, wichtige Informationen sollten vollständig und gut verständlich bei allen ankommen, die sie betreffen. Denn bereits die Kommunikation über Risiken und Verbesserungspotentiale erhöht das Sicherheits- und Gesundheitsniveau für alle.

3. Beteiligung

Die Beschäftigten kennen ihre eigenen Arbeitsplätze am besten und schätzen es, wenn ihre Meinung und ihre Erfahrungen gefragt sind. Wer ihr Wissen nutzt, indem er sie an wichtigen Entscheidungen zu Sicherheit und Gesundheit beteiligt, kann effektiver und effizienter handeln.

4. Fehlerkultur

Unternehmen, die Abweichungen und Beinahe-Unfälle systematisch erfassen und zusammen Lösungen erarbeiten, reduzieren Unfallrisiken erheblich. Ereignen sich doch Unfälle und Erkrankungen, sollten diese offen und ohne Schuldzuweisung diskutiert werden, so dass alle für die Zukunft daraus lernen.

5. Betriebsklima

Ein gutes Betriebsklima entsteht durch gegenseitige Wertschätzung; Vertrauen und Fairness und sorgt dafür, dass sich alle Beschäftigten wohl fühlen.

6. Sicherheit und Gesundheit

Egal, ob es um die Anschaffung einer neuen Maschine geht, um Umstrukturierungen in der Firma oder darum, den Pausenraum umzugestalten – die Sicherheit und die Gesundheit der Beschäftigten sollte bei allen wichtigen betrieblichen Entscheidungen im Blick sein.

 

 

Ins Gespräch kommen

Kommmitmensch regt an, Sicherheit und Gesundheit als zentrale Werte zu stärken – in Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Bildungseinrichtungen. Für die Umsetzung stellen wir Ihnen folgende Handlungshilfen zur Verfügung: 

Für die gesetzliche Unfallversicherung und die Kampagne kommmitmensch wurde ein 5-Stufen-Modell entwickelt. Es hilft dabei, eine gemeinsame Vorstellung und Sprache zu erarbeiten, wie Präventionsarbeit auf einem hohen Niveau aussieht und wie die Präventionskultur positiv beeinflusst werden kann. Durch das Stufenmodell gelangen Sie zu einer Einschätzung, welchen Stellenwert Sicherheit und Gesundheit aktuell in Ihrer Einrichtung haben – auch in den einzelnen Handlungsfeldern. Vom jeweiligen Startpunkt aus können Sie die nächsten Schritte planen.

Mehr zum Stufenmodell

Der gemeinsame Dialog über die Handlungsfelder unserer Kampagne schärft bei allen das Verständnis, wie sicheres und gesundes Verhalten funktionieren kann - für sich selbst und für andere. Mit den kommmitmensch-Dialogen steigen mehrere Personen in die Diskussion ein und erarbeiten gemeinsame Lösungsansätze.

Ablauf

  1. Sie suchen ein Thema aus, das Sie näher beleuchten wollen. Für jedes Handlungsfeld gibt es Dialogkarten als Anregung für die Diskussion.
  2. Auf einem Poster dokumenteiren Sie eigene Beispiele aus dem Schul- und Arbeitsalltag und ordnen diese einer von 5 Ausprägungen zu.
  3. Sie erarbeiten erste Lösungsideen und legen fest, wer für die Umsetzung verantwortlich ist.
  4. Die Ergebniss des Dialogs werden dokumentiert - zum Beispiel ganz einfach durch Fotografieren des Posters.
  5. Nun erfolgt noch die Überprüfung, ob die Maßnahme umgesetzt wurden und ob sie wirksam waren.

mehr zu den Kommmitmensch-Dialogen

Der Kurz-Check kann Betrieben und Einrichtungen mittels sechs kurzer Fragen einen ersten Eindruck geben, in welchen Handlungsfeldern sie aktiv werden sollten.

Idealerweise wird der Kurz-Check zusammen mit zumindest einem Teil der Beschäftigten ausgefüllt. Wer den Kurz-Check durchspricht, wird auf Handlungsfelder stoßen, bei denen die Beteiligten Möglichkeiten für Verbesserungen sehen. So kann der Kurz-Check als Ansatzpunkt dienen, um aktiv zu werden. Dazu können gemeinsam konkrete betriebliche Beispiele aus dem Handlungsfeld und erste mögliche Ideen für Veränderungen gesammelt werden.  

Der Kurz-Check kann auch der Ausgangspunkt sein, um tiefer in die Kultur der Prävention und die Handlungsfelder einzusteigen. Nutzen Sie dafür die kommmitmensch-Dialoge.

mehr zum Kurz-Check

Der KulturCheck ist ein umfangreiches Analysetool zur Bestandsaufnahme und Weiterentwicklung der Kultur der Prävention in Unternehmen und Einrichtungen ab einer Größe von mindestens 50 Beschäftigten. Darin werden die Verhältnisse aus einer ganzheitlichen Perspektive betrachtet: Der Führungsstil, die Kommunikation im Unternehmen, der Umgang mit Fehlern, das Ausmaß der Einbindung von Beschäftigten und nicht zuletzt das Betriebsklima – all diese Bereiche prägen die Kultur im Unternehmen und beeinflussen die Sicherheit und Gesundheit.

mehr zum Kultur-Check

Kommmitmensch werden

Sie wollen kommmitmensch auch zum Thema in Ihrer Einrichtung machen? Dann sprechen Sie uns an!

Sie können die Kommmitmensch-Dialoge bei uns bestellen.
Wir unterstützen Sie im Rahmen unseres Präventionsprojekts Unternehmen mit Herz oder bei der Realisierung von Gesundheitstagen.

Ansprechpersonen:

Bei Fragen kommmitmensch wenden Sie sich bitte an Ihre zuständige Aufsichtsperson.

Unfallkasse Sachsen
Rosa-Luxemburg-Str. 17a
01662 Meißen
Tel.: 03521 724-0